16 August 2021

Die ungewöhnlichen Verdauungsprobleme eines Familienponys führen die proaktive Besitzerin zu bedampftem Heu


Von Kim Miller | Pferdesport-Autorin


Durchfall, Dickdarmentzündung und das Reizdarmsyndrom können in der Gesellschaft Tabuthemen sein. Teresa Wilson wollte jedoch unbedingt alles, was sie über diese Verdauungsprobleme herausfinden konnte, erörtern und vertiefen, als diese bei Rocko, dem Pony der Familie, auftraten.


Und das nicht, weil er ein schickes, teures Showpony ist. Teresa fand Rocko vor einigen Jahren, als sie noch in Deutschland lebte, bei einer Militärreitschule zum Kauf. Der Preis passte für ihn als Beistellpony für ihren jetzt 21-jährigen Vollblut/Shire-Mischling und für ihre kleinen Töchter. Teresa vermutet, dass das rotbraune, dorsal gestreifte Pony als Teil einer Zirkustruppe aus Osteuropa herübergekommen sein könnte.

Rocko

Sein bombensicheres Temperament war perfekt und "er war ein Schnäppchen, zumindest dachte ich das." Das war auch in den ersten Jahren, die Rocko bei den Wilsons verbrachte, der Fall. Sie lebten auf einem Militärstützpunkt in Deutschland, wo Rocko zunächst Teil einer Herde war, die auf 40 Hektar umherstreifte. Er fraß hauptsächlich Gras und bewegte sich ständig - ein Lebensstil, für den Mutter Natur das Verdauungssystem der Pferde geschaffen hat.

Nach der Rückkehr der Wilsons nach England, nach Finchamstead in Berkshire, nahm Rocko einen Lebensstil an, der eher für Hauspferde typisch ist: Er verbrachte die meiste Zeit der Nacht im Stall und fraß hauptsächlich Heu, vor allem im Winter. Die ersten Warnzeichen waren subtil. "Er war nicht ganz in Ordnung", erklärt Teresa. Sie rief den Tierarzt an, weil sie eine Kolik befürchtete, aber Rocko hatte sich erholt, bevor der Tierarzt kommen konnte. Das Einzige, was ihr in der Folgezeit auffiel, war, dass zu seinem "ohnehin schon unreinen Stuhl" noch Kotwasser hinzukam, welches er manchmal gleichzeitig absetzte und manchmal nicht.


Die Untersuchung beginnt

So begann Teresa damit sich mit dem fäkalen Wassersyndrom auseinanderzusetzen, einer wenig bekannten Krankheit, die indirekt mit Durchfall zusammenhängt, aber unabhängig davon auftritt. Bei Durchfall ist es schwierig, eine spezifische Ursache zu finden, bei FWS ist es noch schwieriger. In beiden Fällen konzentrieren sich Pfleger und Pferdebesitzer auf alles, was die Funktion des Magen-Darm-Trakts stören könnte. Der gängigste Weg zur Lösung des Problems ist das Ausprobieren verschiedener Ernährungs- und Lebensstiländerungen.


Teresas Nachforschungen führten sie zu der Frage, ob das FWS und der Durchfall von Geschwüren herrühren könnten. Rockos Tierarzt hielt Geschwüre für eine gute Möglichkeit. Teresa behandelte darauf hin die vermeindlichen Geschwüre und Rocko schien sich damit gut zu fühlen. Im Winter kehrte jedoch ein schwerer Durchfallanfall zusammen mit FWS zurück und Rocko verhielt sich erneut eigenartig.


Natürliche Behandlungen wie Ulme und Flohsamen, die bei Reizdarmsyndrom und anderen Verdauungsproblemen eingesetzt werden, halfen, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Doch Teresa befürchtete, dass die Ursache dafür noch nicht beseitigt war. Sie ließ Rocko auf das Cushing-Syndrom testen und war erleichtert als der Befund negativ war. Bei einer Magenspiegelung wurde jedoch eine Kolitis, eine Entzündung des Dickdarms, festgestellt. Rocko wurde mit Kortikosteroiden behandelt, um die Entzündung unter Kontrolle zu bringen. In der Zwischenzeit forschte Teresa weiter an der Verdauungsfunktion und an Krankheiten, die so langwierig und kompliziert sind wie der Verdauungsprozess des Pferdes selbst.


Zu diesem Zeitpunkt tauchten die Hochtemparatur-Heubedampfer von Haygain auf ihrem Bildschirm auf. Obwohl bedampftes Heu oft im Mittelpunkt von Diskussionen über die Gesundheit der Atemwege steht, hat es auch verdauungsfördernde Eigenschaften, die für Teresa sofort Sinn machten. Sie erkannte, dass Rockos Probleme mit der Umstellung von einer überwiegend grashaltigen auf eine überwiegend heuhaltige Ernährung zusammenhingen. "Mein Gedanke war, dass das Bedampfen das Heu weicher macht und es in einen Zustand versetzt, der dem von Gras am nächsten kommt, sodass es leichter zu verdauen und abzubauen ist. Ich musste es versuchen."


Rocko

Eine glückliche Stuhl-Detektivin

"Innerhalb von 24 Stunden, nachdem er bedampftes Heu bekommen hatte, setzte er besseren Kot ab", berichtet Teresa, eine wahre Stuhl-Detektivin, wenn es darum geht, ihren Pferden zu helfen. Nachdem Rocko einige Zeit bedampftes Heu bekam, ging es ihm immer besser. "Bedampftes Heu macht für ihn einen gewaltigen Unterschied."



Die Nachforschungen, die Teresa zu Haygain führten, führten sie auch zu Equibiome in Wales, einer Organisation, die erforscht, wie die mikrobielle Population im Enddarm unzählige Gesundheitsprobleme verursachen kann, darunter Hufrehe, Koliken und Geschwüre. Sie schickte eine Kotprobe zur Untersuchung an Equibiome und erhielt einen 30-seitigen Bericht zurück, in dem alle Bakterien im Enddarm ihres Ponys aufgeführt waren. Unter anderem erfuhr Teresa, dass Rocko nicht viele der Bakterien hatte, die die holzigen Strukturen im Heu abbauen können. Sie glaubt, dass das aufgeweichte, bedampfte Heu ihm hilft, dies zu kompensieren. Außerdem begann sie, ihn von Hand grasen zu lassen, in der Hoffnung, damit eine größere bakterielle Vielfalt in seine Ernährung zu bringen.


Teresa merkt an, dass Pferde so konzipiert sind, dass sie die meiste Zeit des Tages umherwandern und dabei kleine Häppchen fressen, was zu einem gesunden, vielfältigen Gleichgewicht der Bakterien im Darm führt. "Jetzt stellen wir die Pferde in den Stall oder auf das zwei Hektar große Feld mit saftigem Gras. Wenn wir Unkraut sehen, besprühen wir es. Wir haben all diese Probleme, weil unsere Pferde nicht die richtigen Pflanzen fressen beziehungsweise wir ihnen keine Pflanzenvielfalt mehr anbieten."


Unterstützende Wissenschaft

Bei einem Gespräch mit den Mitarbeitern von Haygain in der Zentrale in Lambourn erfuhr Teresa von einer aktuellen Studie über die Auswirkungen von Behandlungen vor der Fütterung auf das Heubiom. Die Ergebnisse untermauern die Beweise, dass das Bedampfen von Heu bei hoher Temperatur, die am besten geeignete Behandlung vor der Verfütterung für die Gesundheit von Pferden ist", erklärte Dr. Simon Daniels.


Dr. Daniels ist der leitende Forscher bei Das Heubiom: Charakterisierung des lebensfähigen bakteriellen Gemeinschaftsprofils von vier verschiedenen Heusorten für Pferde, die vor der Fütterung unterschiedlich behandelt werden". Die Studie wurde an der Royal Agricultural University in Cirencester, England, durchgeführt und im November 2020 in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht.


Seit März 2021 bekommt Rocko bedampftes Heu von Haygain und seitdem hatte er kein einziges Mal Durchfall oder Kotwasser, berichtet Teresa. Und das ohne Steroide, wegen denen sie sich Sorgen um seine Zukunft machte. "Hätte ich seinen Durchfall nicht unter Kontrolle halten können, hätte ich in Betracht ziehen müssen, ihn einzuschläfern."


Außerdem half Haygain auch Rockos Stallgefährten, dem 21-jährigen Vollblut/Shire-Mischling Chester. "Sein Husten und sein Nasenausfluss sind verschwunden. Auch für ihn ist es hervorragend!"


Teresa hofft, dass ihre Nachforschungen über die Ursachen von Rockos Problemen anderen Pferdebesitzern helfen werden. "Man geht davon aus, dass bis zu 85 % der Hauspferde von Geschwüren im Enddarm betroffen sind, die sich in einer ganzen Reihe von Symptomen äußern können. Wir stehen erst an der Schwelle zum Verständnis dieser Probleme und der Art und Weise, wie sich Zustände im Enddarm-Biom auf Pferde auswirken können."


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